Home » Allgemeines » Verschiedenes » Allgemeinbildung-Ern√§hrung: damals und heute


Gesundheitsthemen, die in die anderen Kategorien nicht passen.
Ich m√∂chte euch hier mal ein paar Ausz√ľge aus einem kleinen Lexikon f√ľr Hausfrauen aus dem Jahre 1937 zeigen.


Zucker,
Kohlenhydrate, die aus Pflanzen gewonnen werden, sich aber auch k√ľnstlich herstellen lassen. Der meiste Zucker wird aus Zuckerrohr und Zuckerr√ľben gewonnen. Unser Gebrauchszucker ist R√ľbenzucker. Zucker wird vom K√∂rper unmittelbar in Kraft und W√§rme umgesetzt und bedeutet daher ein √§u√üerst wertvolles Nahrungsmittel. Bei bestimmten Krankheiten wird Zuckerdi√§t auferlegt. ...


Zuckerdiät heißt hier, soweit ich weiß, nicht der Verzicht, sondern der vermehrte Konsum von Zucker! (siehe weiter unten auch: Leberdiät)

Fruchtzucker,
(L√§vulose) ist in vielen Fr√ľchten sowie im Honig enthalten. Rein dargestellt wird er bei Di√§t von Zuckerkranken benutzt.


Genau das, was Peat in einigen Interviews erwähnt hat! Unglaublich... Damals Medizin, heute "Gift".

Leber,
das wichtigste Organ in der rechten oberen Bauchgegend, die gr√∂√üte Dr√ľse des menschlichen K√∂rpers. In der Leber wird die Galle gebildet, eingedrungene Gifte werden dort unsch√§dlich gemacht, Eisen zur Blutbildung aufgespeichert und √ľberhaupt die meisten wichtigen Stoffwechselvorg√§nge ausgef√ľhrt. Siehe auch Leberkrankheiten.- Leber von Schlachttieren wird in Scheiben gebacken und zu
mancherlei Gerichten, wie Leberknödel, Leberwurst verwendet. Sie läßt sich leicht häuten, wenn sie mit warmen Wasser abgewaschen wird.


Leberdiät:
Ernährung mit großen Mengen Leber, am besten roh, zur Heilung schwerer Blutkrankheiten. Nur auf ärztliche Anordnung!


Milch,
eines der wertvollsten und vielseitig verwendbarsten Nahrungsmittel
; wird hauptsächlich von der Kuh geliefert, obwohl die Milch anderer Haustiere wie Ziege, Schaf, Stute, Eselin ebenfalls zuträglich ist. Ein Liter Kuhvollmilch enthält 600 Kalorien, 100 Teile
Vollmilch setzen sich zusammen aus 3,3 Teilen Eiweiß (kasein, Albumin), 3,6 Teilen Fett, 4,7 Teilen Milchzucker, 0,7 Teilen Mineralstoffen, der Rest ist Wasser. Das Eiweiß ist biologisch hochwertig, ebenso das Fett, weil es in der Milch fein verteilt ist, ferner enthält Milch Vitamine. ...


Butter,
das aus der Sahne beim Buttern gewonnene Fett, ist sehr vitaminhaltig und daher sehr gesund. Butter von weidenden K√ľhen ist goldgelb. Gesalzene Butter h√§lt sich l√§nger, ....


Quelle: "IWA, Ich wei√ü alles, Ein Nachschlagebuch der deutschen Hausfrau f√ľr alle Gebiete des h√§uslichen Lebens" 1937, Lux-Verlag M√ľnchen

Man muss sich hier wirklich deutlich vor Augen halten, dass das kein spezielles Sachbuch f√ľr Gelehrte, sondern f√ľr die einfache Hausfrau ist! Was heute anti-mainstream/next-level knowledge ist, war damals Allgemeinwissen der breiten Bev√∂lkerung.


Hier zum Vergleich ein paar Artikel der populären Seite "Zentrum-der-Gesundheit.de":

Zucker ist Gift f√ľr den K√∂rper
Zucker beeinträchtigt bewiesenermassen die Leistungsfähigkeit des Immunsystems. Schon die durchschnittlich am Tag konsumierte Zuckermenge reicht aus, um das Immunsystem deutlich zu schwächen. Wenn das Immunsystem geschwächt ist, haben Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten leichtes Spiel.

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/z ... ft-ia.html

Gesund ohne Milch
Milch und die daraus hergestellte Produkte (Joghurt, Käse, Sahne etc.) schaden dem menschlichen Organismus und damit der Gesundheit.

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/milch.html

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Beitrag » 29.09.2016 12:34

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Beitrag » 30.09.2016 00:12

F√ľr wahre Weisheit muss man manchmal sehr weit zur√ľckblicken :) Toller Fund, danke tobieagle!
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Beitrag » 30.09.2016 15:50

Ich geh mal davon aus, dass in deinem Nachschlagewerk Brot bzw. allgemein Getreideprodukte auch ziemlich gut weg kommen?
Shanks
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Beitrag » 01.10.2016 12:22

Shanks hat geschrieben:Ich geh mal davon aus, dass in deinem Nachschlagewerk Brot bzw. allgemein Getreideprodukte auch ziemlich gut weg kommen?


Ja, wobei Getreideprodukte hauptsächlich auf Grund ihrer Bedeutung als Grundnahrungsmittel und aus volkswirtschaftlicher Sicht positiv erwähnt werden.
Auch die Kartoffel (Erdapfel) wird als "eines der wichtigsten Nahrungsmittel" betitelt.

Generell fällt eine sehr viel positivere, ermutigende Beschreibung von Nahrungsmitteln auf, wohingegen heute eher die Verteuflung im Vordergrund steht.
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Beitrag » 18.10.2016 20:24

Hallo zusammen,

ich hatte vor Jahren einen Zeitzeugen (meine Mutter) zum Thema Ernährung/Lebensmittel/Landwirtschaft
im Jahr ca. 1940-1945 ausf√ľhrlich befragt. Meine Mutter lebte auf dem Land, die Familie hatte einen Bauernhof.

1.
Pflanzenschutzmittel oder D√ľnger waren damals entweder nicht vorhanden und oder nicht bezahlbar.
Selbst Traktoren waren noch die absolute Ausnahme. Mit anderen Worten, so gut wie alle Lebensmittel,
inklusive Viehfutter waren damals Bioqualität, eher noch eine Stufe höher anzusiedeln, denn auch Spritzmittel
aus Kupferverbindungen oder Antibiotika f√ľr Tiere gab es nicht. Also hatte damals fast jedermann Zugriff auf
Lebensmittel, welche heutzutage im Top Segment verkauft werden. Allerdings gab es nat√ľrlich nicht das
permanente Angebot an z.b. Fr√ľchte und Gem√ľse wie heute. Auch hatten Personen mit niedrigem Einkommen nicht (immer) die M√∂glichkeit begehrte Lebensmittel wie u.a. S√ľdfr√ľchte zu kaufen. F√ľr √§rmere Schichten wird auch hochwertiges Fleisch oder Fett nur begrenzt zu Verf√ľgung gestanden haben.

2.
Abgesehen davon dass Lebensmittel und Futter nicht mit Pflanzenschutzmittel und D√ľnger belastet waren, gab es auch nicht so √ľberz√ľchtete Anbauprodukte (z.B. Getreide) wie heute.
Ich denke der Ertrag war niedriger und die N√§hrstoffqualit√§t h√∂her. Auch der Milchertrag wird wesentlich niedriger gewesen sein, daf√ľr die Qualit√§t besser. Typisches Silofutter (z.B. aus Mais) gab es auch nicht.

3.
Auf dem Bauernhof meiner Mutter wurde Brot selbst hergesellt.
Zutaten: lange Sauerteigf√ľhrung (Sauerteig vom letzten mal), Wasser, Salz, Qualit√§tsgetreide,
mit anderen Worten: top!
Nudeln wurden selbst hergestellt.

Auch Milchprodukte, egal ob auf dem Bauernhof oder in der Molkerei hergestellt, wurden mit traditionellen
Methoden/Milchsäurebakterien produziert. Nicht wie heute, wo fast alles auf Haltbarkeit, Konsistenz, milder Geschmack und optimaler Verpackung getrimmt wird. Kaum noch Joghurt, Kefir, Buttermilch usw. wird heutzutage traditionell hergestellt. Ich weiss nicht ob meine Mutter Kefir hergestellt hatte aber traditioneller Kefir hat letztlich auch die Funktion der Haltbarmachung von Milch gehabt und davon abgesehen war
die Fermentation ein Gesundheitsplus.

Fazit: damalige Milchprodukte waren top!

4.
Salz und Zucker dienten damals vor allem auch zur Konservierung!
Also wenn ein Tier geschlachtet wurde und der Metzger daraus alles mögliche machte
war Salz zur Haltbarmachung nat√ľrlich wichtig.
Und wenn Obsternte war, wurde vieles mit Zucker durch Einkochen/Einmachen haltbar gemacht.
So waren auch im Winter Fr√ľchte und deren N√§hrstoffe verf√ľgbar.
Ein Privathaushalt hatte noch keinen K√ľhlschrank, bei Bedarf wurde dann auch mal ganz frisch ein Huhn geschlachtet :)
Gehe mal davon aus dass die meisten mehr einen Obst und Gem√ľsegarten anstatt einen Ziergarten besa√üen.

5.
Getreide/Kartoffel, teilweise Milch (bzw. Produkte daraus) waren deshalb Nahrungsmittelhauptbestandteile
weil relativ g√ľnstig und verf√ľgbar. Ich denke Lebensmittel wurden nach Bezahlbarkeit, Verf√ľgbarkeit, Vertr√§glichkeit und Instinkt ausgew√§hlt. Es gab nicht den "hat alles" Supermarkt in jedem Dorf, also kein √úberangebot zu billigen Preisen und damit auch kaum Fertiggerichte/Fastfood/S√ľsswaren in der Ern√§hrung.
Meine Mutter hatte allerdings keine Milch vertragen, auch sowas gab es.
Auch Plastikverpackungen und deren Folgen, Fehlanzeige. Die Menschen haben zum grossen Teil härter gearbeitet und sich viel mehr bewegt. Schulbus usw. gab es dort nicht.

Also die Mischung aus viel Bewegung, begrenztes aber hochqualitatives Nahrungsangebot war sicherlich ein grosses Gesundheitsplus im Vergleich zur v√∂llig √ľbers√§ttigten westlichen Zivilgesellschaft von heute.

6.
Als Fettlieferant war auf dem Bauernhof u.a. Butter und Schweineschmalz (ggf. auch Butterschmalz) angesagt.
Im Keller stand immer ein grosser Keramiktopf mit Schweineschmalz.
Verarbeitetes, gepöckeltes, geräuchertes Fleisch/Wurst war in dieser Zeit ohne effektive
K√ľhlketten wie heute, denke ich mal wichtig zumal nicht jeder einen Metzger in der N√§he hatte.

Zum Thema Zucker:
Honig oder Eingekochtes/Marmelade oder f√ľr √§rmere Schichten R√ľbenkrautsaft waren damals sicherlich etwas besonderes weil es eben auch nicht die S√ľsswarenschw√§mme und nicht das Fr√ľchteangebot von heute gab. Allein aus dieser Perspektive hatte Zucker einen anderen Stellenwert.

Ein Mensch mit Bewegung/Normalgewicht, wird damals durch oben genannte Produkte, vern√ľnftig kombiniert im Rahmen einer gesunden Ern√§hrung sicherlich niemals einenNachteil erleiden. Durch hochwertige Getreide/Kartoffelzubereitungen sowieso nicht. Auch das Omega3zuOmega6 Verh√§ltnis wird damals besser gewesen sein.

Und wenn es um den reinen Haushaltszucker von heute geht: "ich hatte mit 19Jahren mal die Ehre mir
ca. eine Woche lang täglich eine massive Wasser/Zuckerlösung reinzuziehen. (Ich glaube ich wollte damals naiverweise Gewicht zunehmen). Anschliessend war ich beim Dauerlauf (Fussballverein) mit grossem Abstand letzter (sonst immer erster) und mein Gesicht quoll nach einer Woche auf wie ein Hefekuchen.
Mit anderen Worten: Katastrophe.
Ansonsten w√ľsste ich aber auch nicht dass die Ern√§hrungsorganisationen
dieser Welt KH (also Zucker/Fr√ľchte/Brot/Kartoffeln/Reis usw.) verteufeln?

Ansonsten:
Teile der Stadtbev√∂lkerung /Arbeiterschicht wurde im Zuge der Industriealisierung nat√ľrlich zunehmend stark
mit Schadstoffen belastet und sp√§ter auch durch Margarine und Dosennahrung negativ begl√ľckt.
In Heizperioden wird durch die vielen Kohleöfen selbst auf dem Dorf keine so angenehme Luft
dagewesen sein.

Problem von heute ist dass die Lebensmittelrohstoffqualität nachgelassen hat bei höherer Quantität (Überangebot) und weniger traditioneller Herstellungs/Zubereitungsweise usw. (z.B. kaum Fermentation)
Dazu kommt noch Schrottnahrung und Schadstoffe aus allen m√∂glichen Richtungen und oftmals eben auch der langfristig sch√§dliche Bewegungsmangel. Allerdings hat sich die Medizin in den letzten Jahrzehnten nat√ľrlich verbessert und die Situation im Jahr 2016 ist besser als in den 70er Jahren, zumindest was die Schadstoffe usw. angeht. In einigen Bereichen hat auch ein Umdenken eingesetzt, wo gab es schon in den 70er Jahren ein Natursauerteigbrot aus Schilfroggen/Einkorn/Emmer in Bioqualit√§t zu kaufen?!
Zuletzt geändert von oskar am 20.10.2016 09:20, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitrag » 20.10.2016 00:13

Hallo Oskar, willkommen im Forum! Und gleich vielen Dank f√ľr deine √ľberaus informative pers√∂nliche Recherche. Es ist dieses Wissen was z√§hlt und was leider in den n√§chsten Jahren mit der vor-vorherigen Generation langsam ausstirbt. Dieses Wissen muss erhalten werden.

LG
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Beitrag » 20.10.2016 11:39

Meine Mutter kocht gerne nach einem ca. 100 Jahre altem Kochbuch, das sie von meiner Oma geerbt hat. Ich glaube es gibt kein einziges Gericht darin, das ich perse als ungesund bezeichnen w√ľrde. Es wurden damals keine Pflanzen√∂le verwendet und viele Gerichte beruhen auf Innerreien von Tieren, wie Leber, Nieren, Herz, Knochenmark usw. Es ist sicherlich auch ein gro√üer Vorteil, dass Ray Peat so alt ist und so viel noch miterlebt hat. Er ist √ľbrigens vor wenigen Tagen 80 geworden! :nice:
"When people start thinking about the things in their life that can be changed, they are exercising aspects of their organism that had been atrophied by being in an authoritarian culture. Authoritarians talk about protocols, but the only valid protocol would be something like perceive, think, act." - Ray Peat
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Beitrag » 20.10.2016 20:03

Gab es sehr selten, aber Kaninchenfleisch+Bratensoße+Böhmische Knödel
war so ziemlich die Nr.1 meiner Lieblingsgerichte.

Unerreicht gut war auch immer die Spaghetti Bolognese auf einer Skih√ľtte in S√ľdtirol.
Nach einigen Jahren fragte dann meine damalige Freundin die Chefin, wie sie den guten Geschmack hinbekommt.
Die Chefin meinte, f√ľr die Bolognesesauce werden neben dem Hackfleisch u.a. auch Innereien verwendet,
das machte wohl den Unterschied. Obendrauf noch Butter+Parmesan :D
oskar
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Beitrag » 22.10.2016 11:59

Willkommen im Forum Oskar und vielen Dank f√ľr deinen ausf√ľhrlichen Beitrag!
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Beitrag » 03.11.2016 14:20

Und gerade auf dem Medizin-und Ernährungssektor bin ich froh in der Heutzeit zu leeben und nicht im 14/15 jahrhundert. Klar, ich bin auch nicht begeistert von dem viel zu schnellen Voranschreiten von Technik, Sozialen medien und Trendwechseln im Minutentakt, aber Dank des bewusstseins was wir heute haben, leben wir länger und können in Notfallsituationen in fast jeder Situation eine Art gegenmittel einwerfen.
Vielen Dank an den verfasser dieses Posts. SEHR aufschlussreich. :-)
Mira-Belle
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